Mari Tarvas, Pädagogische Universität Tallinn (Estland)
Veränderungen des Österreichbildes in Estland
Das Ziel des Vortrages ist es, die Wege der Rezeption der österreichischen Literatur in Estland und das daraus resultierende Österreichbild darzustellen. Da das estnische kulturelle und literarische Leben relativ klein und verhältnismäßig gut überblickbar ist, kann es eventuell auch als Modell für allgemeinere Vorgänge dienen.
Auf der Basis eines allgemeinen Vergleichs --- denn auch wenn zwischen Österreich und Estland gewisse Parallelitäten bestehen, sind die Unterschiede doch vielfältig und auch gravierend, wird versucht, eine Übersicht über einige wesentliche Entwicklungen zu geben zu geben:
- Die meisten Leser nehmen traditionell die österreichische Literatur nicht als eine eigenständige Literatur wahr, sondern eher als einen Teil der deutschsprachigen Literatur. Nach der Eröffnung der Grenzen sowie durch den estnischen EU-Beitritt ist eine differenziertere Darstellung möglich geworden (Beispiel: Elfriede Jelinek).
- Die Rezeption der österreichischen Literatur und das Österreichbild sind stark von Stereotypen beeinflusst. Diese prägen weiterhin das Österreichbild. Neben der früher dominanten Rolle der schönen Literatur, spielen in der letzten Zeit auch die Politik und Publizistik bei der Imagebildung mit. (Beispiel: Stefan Zweig)
- Rezeption als Vorgang in der Zeit zeigt vielfach Kontinuitäten auf, die Rezeption eines Autors kann sich auf nur ein bzw. wenige Werke konzentrieren, doch auch erhebliche Erweiterungen erleben. Auffallend oft werden erfolgreiche Autoren bzw. Texte nicht auf Österreich bezogen (Beispiele: Hermann Bahr, Rainer Maria Rilke).
- Wegen der beschränkten Rezeptionsmöglichkeiten eines sehr kleinen Sprachraums spielt der persönliche Aspekt eine große Rolle (Beispiel: Ivar Ivask).